Biografie

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Deutsche aus Zufall…

 

Marén Berg wird in Hannover geboren und verbringt ihre Kindheit im Harz in einer durch und durch musikalischen Familie: Abende, an denen man sich ums Klavier versammelt, um gemeinsam zu singen und zu musizieren, sind keine Seltenheit. Mit ihrer Großmutter singt sie Duette am Klavier und tritt auf ihren Rat in den Kirchen- und Schulchor ein. Als sie zehn Jahre alt ist, zieht die Familie nach Berlin. Dort macht Marén die Bekanntschaft mit ihrer ersten Oper, mit dem Musical und mit Liedern von Bertolt Brecht, Joan Baez, Hildegard Knef, Gilbert Bécaud, Juliette Gréco und Barbara. Diese musikalische Richtung von Sängern, die in ihren Chansons im Gegensatz zum Schlager einen Gedanken vertreten, fasziniert die Jugendliche besonders. Mit sechzehn bekommt sie ihre erste Gitarre und in den letzten Gymnasialjahren wird sie sich ihr erstes kleines Repertoire erarbeiten: Songs von den Beatles neben denen von Reinhard Mey, Franz-Joseph Degenhardt, Peter, Paul und Mary, den Ofarims….

 

 Französin aus Liebe…

Dem Abitur folgen Sprachstudien in London und Paris, wo Marén Berg sich endgültig niederlässt und ihren erträumten Beruf mit der ihr eigenen Zielstrebigkeit in Angriff nimmt: tagsüber Sprach-, Gesangs-, Tanz- und Schauspielunterricht, abends einmal pro Woche einen Auftritt im ‚American Center for Students and Artists‘, wo sie Künstler wie den Bretonen Alan Stivell trifft, der mit seiner Harfe erste Erfolge feiert. Beide werden eine Zeit lang einer internationalen Truppe angehören, die durch ganz Frankreich zieht. Im Gepäck ein Repertoire in fünf verschiedenen Sprachen, das von Liedern aus dem Mittelalter bis zur Jetztzeit reicht.

Zehn Lehr- und Wanderjahre führen Marén Berg und ihre Gitarre mit einem abendfüllenden Programm von Lille nach Nizza, von Norwegen nach Madagaskar, von Dakar nach Kopenhagen und natürlich in die deutschsprachigen Länder. Ihre Lieder sind heiter und aufmunternd, manchmal romantisch, auch ironisch und kämpferisch. Sie engagiert sich für die Situation der Frauen, für Greenpeace, gibt Konzerte in französischen Gefängnissen…

Die ersten Schallplatten entstehen: zwei Alben mit französischen Kinderliedern sowie „Bien ça de pris“ und „Wolfgang und ich“, auf denen Marén Berg Chansons von Anne Sylvestre, Marie-Paul Belle, Maxime Leforestier, Yves Duteil oder Guy Béart interpretiert. Funk- und Fernsehauftritte folgen in beiden Ländern.

1984 wird ein wichtiges Jahr für Marén: „die Blonde“ erscheint – die erste Schallplatte, die in Frankreich herauskommt, auf der es einer Interpretin gelingt, die deutsche und die französische Sprache in einem Lied melodisch und harmonisch zu verbinden. Das Deutsch-Französische Jugendwerk unterstützt diese Produktion, denn Marén Berg fühlt, denkt und singt deutsch-französisch, sie möchte ganz bewusst ein „musikalischer Bindestrich“ zwischen ihren beiden Ländern sein. Wie nebenbei liefert sie innerhalb ein und desselben Liedes die Übersetzung des Textes in die jeweils andere Sprache und macht so ihre Lieder auch einem fremdsprachenunkundigen Publikum auf beiden Seiten des Rheins zugänglich.

Diese LP und das gleichnamige Bühnenprogramm, in dem die Sängerin zum ersten Mal von Musikern begleitet wird, mit Titeln von Konstantin Wecker, Ulla Meinecke, Wolf Biermann und Bettina Wegner, erhalten sehr gute Kritiken. Daraufhin wenden sich die Lehrer, die in Frankreich Deutsch unterrichten, mit der Bitte um speziell für ihre Schüler konzipierte Programme an die Sängerin. Das gelingt Marén seitdem mit so großem Erfolg, dass ihre Texte und Lieder nebst Interviews in einem halben Dutzend französischen Schulbüchern vertreten sind.

1988 kommt die LP „De Passage/Im Vorbeigehn“ heraus, auf der neben dem selbstgeschriebenen Titelsong Klassiker des Chansons ebenso vertreten sind wie französische Versionen deutscher Lieder. Marén Berg greift diesmal auf Texte und Kompositionen beispielsweise von Rio Reiser, Herbert Grönemeyer, Bernard Lavilliers oder Léo Ferré zurück. Aber sie gestaltet dieses Repertoire so persönlich, dass keine Parallele gezogen werden kann. So leicht wie die Sprachen wechselt sie die musikalischen Schubladen: vom harten „Chanson-Rock“ über Reggae- oder Jazztitel bis hin zum sanften Slow beherrscht sie nun alle Register.

                                                          Europäerin aus Überzeugung…

 

Am Abend des Mauerfalls steht Marén Berg auf der Bühne eines Pariser Theaters und kann mit etwas wehem Herzen nur von weitem an dem Jubel teilnehmen. Doch noch in dieser Nacht entsteht der Gedanke zu einer Bühnenshow (mit vier Musikern, einem Tänzer und einem Bühnenbild) , die „OuverTüre“ heißen und später, nach vielen, vielen Auftritten in Paris und ganz Frankreich zu der gleichnamigen CD führen wird. Auf dem nächsten Album, „Harmonie“, setzt die Künstlerin unter anderem ihrer Großmutter mit dem Lied „Au bout de ses doigts“ ein Denkmal. Sie schreibt mehr und mehr ihre Texte selber, ihre Kollegen Pierre Meige und Gilles Langoureau komponieren die Musik dazu.

2002 wird  Marén Berg mit der Ehrenmedaille der Fédération des Associations Franco-Allemandes für ihre „Verdienste an der deutsch-französischen Sache“ ausgezeichnet . Sie hat ihren eigenen unnachahmlichen Stil gefunden. Ihre Doppel-live-CD „Un concert/Ein Konzert“, im Pariser Goethe-Institut aufgenommen, zeugt davon. Ab 2009 wird sie auf der Bühne auch zur Schauspielerin mit den eigens für sie von Christian Bruster geschriebenen  Stücken  „Die  Mauer und ich /Mon Mur à moi“ und, ein  Jahr später, RéNAZIstance/Die weisse Rose“, mit denen sie durch ganz Frankreich tourt.

2013 ensteht zur Feier des 50 jährigen Bestehens des Elysée-Vertrages das Bühnenprogramm „In Paris und in Göttingen“ zu Ehren derjenigen Künstler, die es in den 60er und 70er Jahren „wagten“, in beiden Sprachen zu singen (Aznavour, Adamo, Becaud, Dalida, Udo Jürgens etc.). Seitdem spielt Marén Berg dieses Programm abwechselnd mit ihrer „Tour de Cœur/Von Herz zu Herz“ und – seit Mai 2017 als Hommage an die Opfer der Terroranschläge in Paris und Berlin – mit  „Widerstehen/Résister“.

 

„Ich möchte Ihnen meine Hochachtung aussprechen für die fabelhafte deutsch-französische Arbeit, die Sie geleistet haben und auch weiterhin tun. Wenige Menschen haben wie Sie eine solche Ausdauer, ein soche Treue gegenüber dem ursprünglichen Impuls.Und immer mit diesem musikalischen Gespür und der glücklichen Hand in der Auswahl Ihrer Lieder.

Ich kann nur wünschen, dass Sie weitermachen.“                                                                                                                                                      

Alfred GROSSER